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Die Citroën DS - die « alltagstaugliche Skulptur » - ein Plädoyer

Der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegsjahre schuf ein positives Klima für

technische Innovationen: steigende Löhne, sinkende Arbeitslosigkeit und gestiegener

Wohlstand förderten die Überzeugung, dass Technik Probleme löst und das Leben

verbessert. Diese Fortschrittsorientierung begünstigte die avantgardistische

Entwicklung der Citroën DS, bei der auch Künstler verschiedenster Disziplinen

gemeinsam mit den Technikern, Ingenieuren und Marketingverantwortlichen beteiligt

waren und dabei alle gemeinsam die kreative Vision voller Stolz trugen.

Die Citroën DS – «Göttin» der automobilen Avantgarde

Die DS von Citroën gilt als Meilenstein der Automobilgeschichte. In den Nachkriegsjahren entstand sie in einer aussergewöhnlichen und einmaligen Fabrik-Kultur: Die "Vision Voiture de Grande Diffusion" (VGD) befähigte, ja beflügelte zeitweise, alle Mitarbeiter zu «Aussergewöhnlichem». Über alle Hierarchien hinweg – vom Reinigungspersonal bis zur Direktion – herrschte ein motiviertes und respektvolles Miteinander und die dabei gelebte Geheimhaltung technischer Neuerungen/Erfindungen war selbstverständlich und trug erheblich zum Erfolg des Projekts bei.

Ihr Design war radikal und visionär: aerodynamische, fliessende Linien, freiformartige Scheinwerfer und grossflächige, seifenblasenartig gewölbte Fenster verliehen der DS eine skulpturale Eleganz, die keiner klassischen Gesellschaftsschicht zuzuordnen war. Farben wie Gris Rosé, Champagne oder Vert Printemps und Stilelemente wie die im Dach eingelassenen Blinker-trompeten spiegelten die Lebensfreude der Nachkriegszeit wider.

 

Technisch setzte die DS-Massstäbe: Die hydropneumatische Federung mit gewichtsunabhängiger Bodenfreiheit hob die „Göttin“ beim Start wie von selbst an, Servolenkung, lastabhängig nachregelnde Bremsen, asymmetrische Radialreifen sowie ein innovatives Armaturenbrett mit Einspeichenlenkrad und Bremsweg-Anzeige garantierten Komfort und Sicherheit auf höchstem Niveau. Über zwei Jahrzehnte sicherte Citroën seinen Vorsprung durch kontinuierliche Innovationen wie mitlenkende Scheinwerfer, frühe Nutzung von Halogenleuchten und elektronische Benzineinspritzung

Auch die Vermarktung war avantgardistisch: Statt Geschwindigkeit oder PS rückten Federkomfort, Sicherheit und das französische „Savoir-vivre“ in den Vordergrund. Der Name „Citroën“ wurde bewusst nicht auf der Karosserie platziert. Werbung, Prospekte und Filme griffen auf zeitgenössische Kunst und Kultur zurück und verbanden Technik mit ästhetischem Anspruch, unterstützt von renommierten Fotografen.

Im Sinne der Avantgarde (avant-garde = „Vorhut“) verkörperte die «Göttin» radikalen Fortschritt, technische Innovation und visionäres Design. Sie setzte Massstäbe, die weit über die Automobilbranche hinaus Wirkung zeigten und machte das Fahrzeug zu einem Symbol der automobilen Avantgarde ihrer Zeit».

©William Klein Estate, 1961